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Kindheitserfahrungen können Gene verändern!

27. April 2009

„Selbstmord ist die abscheulichste Sünde, mein Kind, die einzige, die man nicht mehr bereuen kann, weil Tod und die Missetat zusammenfallen.“ Friedrich Schiller (Kabale und Liebe- Miller)

„Suizidalität umfasst alle bewussten und unbewussten Gedanken, Phantasien, Impulse und Handlungen, die erwägen oder darauf gerichtet sind, den eigenen Tod herbeizuführen. Suizidalität kann als Ausdruck der Zuspitzung einer seelischen Entwicklung verstanden werden, in der die Menschen hoffnungslos und verzweifelt sind und ihre Situation als ausweglos erleben. Sie fühlen sich oft innerlich zerrissen (ambivalent), überschwemmt von Gefühlen und schwer zu kontrollierenden Gedanken oder Impulsen. Das suizidale Erleben und der Drang, Suizidgedanken in die Tat umzusetzen, kann je nach Persönlichkeit und Problematik des einzelnen Menschen sehr unterschiedlich sein.“ TZS, Hamburg

Die Wissenschaftler Dr. Michael J. Meaney und Moshe Szyf von der McGill University in Montreal, Kanada entdeckten, dass früh kindliche Trauma die Aktivität von Genen dauerhaft verändern können. Von Ratten ist bereits bekannt, dass die mütterliche Fürsorge das Verhalten ihrer Nachkommen beeinflusst. Je fürsorglicher sich eine Mutter gegenüber ihrer Schützlinge verhält, desto selbstsicherer und stressresistenter wurde diese. In Gefahrensituationen produzierten die Körper, der fürsorglich behandelten Jungtiere weniger Stresshormone, als ihre vernachlässigten Artgenossen. Diese Folgeerscheinung bleibt bis in das Erwachsenenalter.

Der Grund für diese Auswirkung ist ein verändertes Methylierungsmuster der DNA in den Zellen des Hippocampus. Ein fürsorgliches Aufwachsen bewirkt, dass wichtige Gene der Stressreaktion durch eine chemische Veränderung abgeschaltet werden. Bei den vernachlässigten Tieren hatte sich das Gehirn jedoch auf Stress programmiert. Durch dieses überraschende Ergebnis wollten die Wissenschaftler diesen Effekt auch bei Menschen testen.

Die roten Bereiche sind die Hippocampi.

Dafür nutzen sie 13 Gehirne von Selbstmördern, die in ihrer Kindheit missbraucht wurden. Zum Vergleich nutzen sie Gehirne von Unfallopfern, von denen kein frühkindliches Trauma bekannt war. Das Ergebnis ihrer Analyse der Gehirne ist, dass bei den Selbstmördern wichtige Gene durch chemische Modifikation deaktiviert waren.
Die Gene waren für die Produktion von Proteinen in Zellen verantwortlich und ausschließlich im Hippocampus der Missbrauchsopfer methyliert worden. Der Hippocampus ist eine Hirnregion, die für das Lernen und Erinnern wichtig ist. Es wurde auch festgestellt, dass der Hippocampus bei Missbrauchsopfern deutlich kleiner ist, als bei Menschen ohne Trauma.

„Es könnte sein, dass die Unterschiede in der Methylierung durch den frühkindlichen Missbrauch verursacht wurden, doch eine Kausalität nachzuweisen, ist bei Menschen deutlich schwieriger als bei Tieren.“ Moshe Szyf

Es ist also nicht möglich festzustellen, wann die Methylierung stattfand. Doch Moshe Szyf ist sich sicher, dass Missbrauch in der Kindheit Spuren im Gehirn hinterlassen, die man bis ins Erwachsenalter nachweisen kann und die das Suzidrisiko erhöhen. Als nächstes Wollen die Forscher herausfinden, ob bei Menschen ein fürsorgliches Aufwachsen ebenfalls das Methylierungsmuster der DNA verändert, wie bei Ratten.

Quellen:

http://www.uke.de/extern/tzs/TZS_d.html

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=6438

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