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Day 2- Kurzer Themeneinblick

1. Mai 2009

Heute früh 9 Uhr ging das Behaviour Symposium in die zweite Runde. Wieder meiner Erwartungen war der Senatssaal auch zu dieser, für mich frühen, Uhrzeit voll. Der Raum wurde weitestgehend abgedunkelt, um die PowerPoint Präsentationen besser erkennen zu können und dann trat Prof. Wolfgang M.Schleidt vor das Mikrophon. Sein Gesicht wurde durch eine kleine Lichtquelle am Podium angestrahlt und so wirkte der 82 Jährige, wie ich mir einen Professor vorgestellt habe.

Seine Rede handelte von dem großen Thema „Kommunikation“. Anhand von Videosequenzen und animierten Bildern von Truthähnen und Enten erklärte er auf welche Arten Kommunikation stattfindet. An seinen Vortrag knüpfte Prof. Kurt Kotrschal nahtlos an und sprach über soziale Beziehung von Graugänsen und Mensch-Tier Beziehungen.

Wirklich interessant wurde es erst nach der Kaffeepause. Prof. Patrick Bateson referierte auf eine charmante und lustige Art über die Interaktion von Genotyp, Umwelt und Phänotyp. Er erforschte große und kleine Babys, die unter schlechten und guten Nahrungsbedingungen aufwachsen und kam zu dem Ergebnis, dass große Babys, die unter guten Nahrungsbedingungen aufwachsen, später weiterhin normale Körperproportionen haben. Wachsen sie hingegen mit Ernährungsmängeln auf, sind sie später oft zu dünn. Bei kleinen Babys ist es genau umgekehrt. Schlechte Nahrungsbedingungen führen zu normale Körperproportionen, aber gute Ernährung zu Adipositas.

Bateson erkannte auch einen Zusammenhang zwischen dem Geburtsgewicht und Herzkrankheiten. Kinder, die mit einem hohen Geburtsgewicht zur Welt kommen, haben später weniger Herzprobleme als Kinder mit einem niedrigen Geburtsgewicht. Dieser Zusammenhang zeigt sich auch in dritte Welt Ländern, bei denen die Anzahl der Herzkranken alarmierend hoch ist.

Dieses Problem könnte durch die Epigenetik erklärt werden. Dr. James P. Curley hielt heute einen spannenden Vortrag über Epigenetik und ließ verlauten, dass er an epigenetische Zusammenhänge zwischen Herzkrankheiten und Ernährung glaubt. Doch durch die Epigenetik, ein sehr frisches Thema der Biologie, konnte bisher noch keine solche Verbindungen bei Menschen eindeutig bewiesen werden. (Mehr zu diesem Thema: Epigenetik- Was ist das?, Kindheitserfahrungen können Gene verändern! )

Prof. David Macdonald, der 5. Redner dieses Tages setzte sich mit dem Thema „Menschen und Natur“ auseinander. Ihm ging es vor allem, darum zu zeigen, was der Mensch den, in der Natur lebenden, Tieren antut, wie viele Tiere fast auslöscht wurden und wie man bedrohte Tierarten retten kann. Dr. Tom Moorhouse und Prof. David Macdonald arbeiteten an einem Projekt zusammen, bei dem gezüchtete Minke in die Natur ausgesetzt werden sollten, um die Populationen aufzustocken. Von dem Projekt erzählte Dr. Tom Moorhouse als Abschlussredner des zweiten Tages des Behaviour Symposiums.

Weiter zum dritten Tag

4 Kommentare leave one →
  1. Balanus permalink
    30. Oktober 2009 23:05

    …die Epigenetik, ein sehr frisches Thema der Biologie…

    Liebe Luisa, ich schätze mal, dass Sie um einiges „frischer“ sind als dieses Forschungsgebiet. Die Regulation der Genexpression wird bereits seit mehr als sechs Jahrzehnten mehr oder weniger intensiv beforscht. In letzter Zeit – unter dem Namen Epigenetik – eher mehr, insoweit haben Sie recht…😉

  2. 31. Oktober 2009 16:58

    Darf ich fragen, woher Sie Ihre Erkenntnisse über Genregulation und Epigenetik gewonnen haben? Sie geben mir das Gefühl die Epigenetik als ein Thema wahrzunehmen, dass aufgrund von Unkenntnis entstanden ist.

  3. Balanus permalink
    31. Oktober 2009 23:23

    Nun ja, Waddington hat den Begriff bereits 1942 verwendet, um jenes Forschungsgebiet zu beschreiben, das sich mit den Wechselwirkungen zwischen den Genen und deren Produkten befasst, die letztlich den Phänotyp bilden. Edgar und Ellen Stedman haben 1943 die erste moderne Hypothese für eine Genregulation in Eukaryonten vorgeschlagen und dabei die Histone ins Spiel gebracht. Sie postulierten, dass die Histone als Gen-Repressoren während der Differenzierung und Entwicklung fungieren. Und dann gibt es noch ein Epigenetik-Paper von 1958 (DL Nanney, Epigenetic Control Systems, PNAS 44:712-717).

    Ich bestreite ja nicht, dass sich die heutige epigenetische Forschung weiter spezialisiert hat. Aber so neu und revolutionär, wie es in der populären Presse oft dargestellt wird, ist das Ganze eben nicht. Es handelt sich weniger um umwälzend neue Erkenntnisse, sondern eher um einen neuen Blick auf ein altes Forschungsgebiet. Der Fokus ist heute ein anderer.

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