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Der „Turbolachs“- Risiko oder Chance?

1. September 2009

Die Gentechnik ermöglicht den Menschen leuchtende Fische zu züchten und die Produktivität von Nutzpflanzen erheblich zu verbessern. Vor allem in der Medizin und in der Pharmazie ist die Gentechnik von großen Nutzen. Viele Produkte u.a. Insulin und Vitamine können so erfolgreich hergestellt werden. Krankheiten wie Blutarmut, Wachstumsstörungen bei Kindern und Herzinfarkt werden durch gentechnisch hergestellte Wirkstoffe behandelt. Außerdem ist die Gentechnik nun auch in der Krebstherapie etabliert.

Gerade in den Anfängen war die Gentechnik großer Kritik ausgesetzt, die sich zwar selten gegen die medizinischen und pharmazeutischen Fortschritte äußerte, doch oft genug gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel. Heute nimmt man kaum noch Notiz von den Kritikern und genveränderter Mais und Soja ist nahezu überall in Deutschland vertreten. Nun soll auch genveränderter Lachs in Produktion gehen.

Schon 2001 wurde öffentlich über das Patent genveränderter Fische gestritten. Das Patent  erhielt letztendlich eine kanadische Firma, die nun Lachse und andere Fische aus genmanipulierten Eiern züchten kann. Die kommerzielle Zucht von genmanipulierten Fischen ist jedoch bisher in noch keinem Land der Welt erlaubt. Dennoch gibt es viele Anmeldungen in den USA und der EU dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Im Zentrum der Öffentlichkeit steht momentan der transgene atlantische Lachs. Ihm wurden das Wachstumshormon-Gen des pazifischen Lachses eingesetzt. Der transgene Lachs kann so auch im Winter Wachstumshormone produzieren. Der unveränderte atlantische Lachs hingegen nur im Frühjahr und Sommer. Dadurch wächst der transgene Lachs das ganze Jahr über. Bereits nach fünf Monaten ist er fünfmal so groß, wie der unmanipulierte Lachs und kann demnach schneller geschlachtet und verkauft werden. Außerdem ist er durch Gene anderer Tiere resistenter gegenüber Temperaturveränderung und Krankheiten.

Aufgrund der großen Nachfage hat die EU eine Studie mitfinanziert, die sich mit den Risiken des transgenen Lachses beschäftigt. Dieses Ergebnis wurde jüngst veröffentlicht. Der Zoologe Frederik Sundström vom Department of Zoology an der Universität Göteborg und Leiter der Studie und andere schwedische Forscher sehen ein großes Problem, falls der transgene Lachs in die freie Natur gelangt. Genetisch veränderte Fische sollen deshalb ausschließlich in geschlossenen Systemen im Binnenland gezüchtet werden.

Die seit fünf Jahren geführte Studie zeigt, dass der gentechnisch veränderte Lachs immense Schäden verursachen könnte. Sundström simulierte einen geschlossen Kreislauf, in dem er die „Turbolachse“ einsetzte. Diese überlebten Nahrungsengpässe besser und zeigten sich resistenter gegen Temperaturveränderungen als die herkömmlichen Zuchtfische. Außerdem sind sie unempfindlicher gegenüber Umweltgiften. Leider könnten sich diese guten Eigenschaften schlecht auf die Umwelt auswirken, wenn sich die genetisch veränderten Lachse mit den natürlichen Lachsen fortpflanzen. Die Natürlichen könnten so laut Sundström ausgelöscht werden. Sicherlich ist eine Imitation der freien Natur schwierig, sodass man nicht vorhersagen kann, wie transgene Lachse die Umwelt tatsächlich beeinflussen. Dennoch rät Sundström: „Zumindest fruchtbare Fische müssten unbedingt in geschlossenen Systemen bleiben.“

Doch die mögliche Auswirkung auf die Umwelt ist nicht das einzige Manko der „Turbolachse“. Umweltgifte, gegen die der gentechnisch veränderte Lachs resistent ist, werden von ihm akkumuliert und dann vom Konsumenten verzehrt. Sundström äußerte auch seine Bedenken wegen der Wachstumshormone, denn höhere Wachstumshormonwerte könnten zu Problemen beim Menschen führen.

Ob es den „Turbolachs“ bald zu kaufen gibt, wird sich in naher Zukunft zeigen. Die Gentechnik steht jedenfalls nicht still und so wird z.B. auch an Flundern geforscht, denen ein „Gefrierschutz-Protein“ das Leben bei Temperaturen nahe den Gefrierpunkt ermöglicht.   Außerdem sollen auch bald gentechnisch veränderte Forellen, Karpfen, Kabeljau, Steinbutt, Heilbutt und Tilapia in Produktion gehen.

Quellen:

http://www.fisher2fisher.de/oeko/karpfen.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Gentechnik#Nutzpflanzen

http://derstandard.at/fs/1250691647900/Transgene-Lachse-sollten-von-der-Natur-ferngehalten-werden

4 Kommentare leave one →
  1. Thearcadier permalink
    13. November 2009 15:03

    Du schreibst wirklich tolle Artikel. Leider viel zu selten^^

    PS: Schreibe mich mal bitte über meine angegebene email-Adresse an. Hab Deine leider nicht mehr.

    Grüße
    Thearcadier

  2. max permalink
    8. Februar 2011 09:58

    „Aufgrund der großen Nachfage hat die EU eine Studie mitfinanziert, die sich mit den Risiken des transgenen Lachses beschäftigt“

    Hallo. Ich würde mir gerne diese Studie genauer angucken und wollte fragen ob du mir nen Link geben könntest oder so ?

    Wär echt hilfreich da ich eine Facharbeit über genveränderte Fische schreibe!

    Wenn du noch andere nützliche Informationen hast wär das auch nicht schlecht.

    Danke🙂

    • 8. Februar 2011 11:21

      http://www.science.gu.se/english/News/News_detail//risks-involved-with-transgenic-fish-.cid889631

      Das ist leider nur die Zusammenfassung. Viel Glück bei der Facharbeit.

Trackbacks

  1. Das Antikörper-Blog » Blog Archiv » Gentechnik und unsere Umwelt

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