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Gehirnwäsche

22. Oktober 2009

Winzig kleine Einzeller nisten sich in Gehirnen von Tieren und Menschen ein. Von dort aus können sie das Verhalten der Lebewesen beeinflussen und treiben diese oft in den Selbstmord.

Was wie eine Story für einen Science-Fiction-Roman klingt, ist in der Natur gang und gäbe. Parasiten, wie der Toxoplasma gondii können tatsächlich das Verhalten steuern. Ein Forscherteam der Stanford University infizierte Ratten mit dem Parasiten und beobachtete, wie diese auf Katzenurin reagieren. Ratten meiden normalerweise Orte, die nach Katzenurin riechen. Doch in diesem Fall wirkte der Geruch eher anziehend. In der Natur wäre das der sichere Tod. Ob der Parasit wirklich das Verhalten steuern kann, ist bisher noch nicht bewiesen. Tatsache ist jedoch, dass infizierte Tiere höhere Dopaminwerte haben. Der Neurotransmitter Dopamin steuert unter anderem das Neugierverhalten, sodass der hohe Dopaminwert in den Ratten zu verstärkter Neugierde beiträgt. Toxoplasma gondii sichert sich somit sein Überleben. Ratten und andere Kleintiere fungieren als Zwischenwirt und nehmen den Parasiten über ihre Nahrung auf. Diese werden dann von größeren Tieren, wie Katzen gefressen und ausgeschieden. So schließt sich der Lebenszyklus.

Andere Parasiten wirken ähnlich.
Die Larve des Pomphorhynchus laevis programmiert wahrscheinlich den Geruchssinn kleiner Flohkrebse um. Diese schwimmen aufgrund der Veränderung geradewegs ins Maul von Flussbarschen.
Das wohl bekannteste Beispiel ist die Selbstmord-Ameise.
Sie infiziert sich mit der Larve des kleinen Leberegels Dicrocoelium dendriticum, die sich an den Nervenknoten festsetzt und so ihr Verhalten und ihre Mundwerkzeuge beeinflusst. Die kleine infizierte Ameise läuft dann in der Abenddämmerung nicht mehr in ihr Nest zurück, sondern wandert auf einen Grashalm. Dort beißt sie sich fest und verbringt die Nacht. Dieses Verhalten erhöht die Chance von einem Schaf oder ähnlichem am Morgen gefressen zu werden. Sollte die Ameise noch einmal Glück gehabt haben, läuft sie zurück ins Nest. Sie wird die nächste Nacht jedoch wieder auf einem Grashalm verbringen.

Auch Menschen sind von solchen Parasiten betroffen. Ungefähr 30 bis 60 % der Menschen sind mit Toxoplasma gondii infiziert. Bisher wurden noch keine Wesensveränderungen festgestellt. Jedoch gibt es einige Hinweise auf einen Zusammenhang von Toxoplasmose und Schizophrenie.
Nur der Wissenschaftler Kevin Lafferty stellt die Hypothese auf, dass kulturelle Unterschiede zwischen Nationen unter anderem durch Parasitenbefall erklärt werden könnten.
Ob etwas Wahrheit dahinter steckt, werden wir in der Zukunft herausfinden. Bis dahin muss sich jeder selbst die Frage stellen: „Bin das wirklich Ich?“

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wissen/515/326379/text/

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